Hochtourenwoche Mont Blanc & Nadelgrat

  1. Teil Hochtourenwoche 2017

Der Sonntag war Ruhetag und für die beiden Ingos Abreise-bzw. Anreisetag. Ingo Kühn fuhr am Sonntag zurück; dafür stiess Ingo Wardjan zu uns.

Das ursprüngliche Programm für die 2. Woche musste infolge Schneefalls über 4000 m geändert werden: Anstelle des Mont Blanc wollten wir am Montag den Monte Leone in Angriff nehmen. Tagwache war um 1 Uhr morgens (sic!!). Wir fuhren mit dem Auto auf den Simplonpass und liefen los. Leider mussten wird die Tour auf halber Höhe wegen Wetterumschwungs abbrechen. Aber so leicht gaben wir nicht auf – am nächsten Tag hiess es nochmals Tagwache um 1 Uhr morgens und dieses Mal waren wir erfolgreich. Nach einem langen Aufstieg über felsiges Gelände und Gletscher, erwartete uns eine herrliche Kletterei über den Grat zum Gipfel, der leider im Nebel lag. Die Nebeldecke riss einige Male für wenige Sekunden auf und wir konnten einen kurzen Blick auf die umliegenden Gipfel ergattern. Für Fotos hat es leider nicht gereicht; da mussten selbst unsere Profifotografen die Waffen strecken. Immerhin war uns das Wetter auch während dem Abstieg gnädig und wir erreichten den Simplonpass trockenen Fusses. Zurück in der Ranerchumme, hiess es Abschied nehmen von Paul und Barbara Stöckli und Christine Gold, die nach Hause fuhren.

Nunmehr zu viert fuhren wir am nächsten Tag los ins Val d'Anniviers nach Zinal. Von Zinal erfolgte der Zustieg auf die Cabane du Mountet, die ganz hinten im Tal inmitten mächtiger Gletscher und Gipfel liegt. Am nächsten Tag war um 4 Uhr Tagwache – unser Ziel war der Mont Durand. Die Querung des Gletschers war, mit Ausnahme eines harmlosen Spaltensturzes, problemlos. Dafür stellte der Bergschrund ein fast unüberwindbares Hindernis dar. Ausgerüstet mit 2 Eispickeln ging Alois die Eiswand hoch und setzte Eisschrauben, um uns einen sicheren Aufstieg zu gewährleisten. Auf dem Col du Durand angekommen, versteckte sich das Matterhorn in Nebelfahnen. Nach einer kurzen Pause entschlossen wir uns zur Umkehr und nahmen den Abstieg via Cabane du Mountet nach Zinal in Angriff. Müde vom langen Abstieg fuhren wir zurück nach Visp, wo Ingo, der sich beim Abseilen verletzt hatte, verarztet werden musste. Aschliessend gönnten wir uns auf der Piazza in Visp eine Pizza und fühlten uns ein wenig wie in Italien. Zurück in der Ranerchumme erreichte uns die Nachricht vom wunderbaren Wetter und die Müdigkeit war wie weggeblasen. Wir entschieden uns, am nächsten Tag das Strahlhorn zu Dritt (Gina, Alois und die Verfasserin) in Angriff zu nehmen. Fahrt nach Saas Fee und mit der Seilbahn hoch bis Felskin und von dort Zustieg auf die Britanniahütte. So einfach lassen sich die Höhenmeter selten erklimmen. Tagwache war um 3 Uhr morgens und nach einem kurzen Frühstück ging es los. Eine sternenklare Nacht erwartete uns, nur das Knirschen der Steigeisen auf dem Eis war zu hören. Dann die Morgendämmerung und die ersten Sonnenstrahlen, die das Strahlhorn in rotes Licht tauchten und die Bergwelt um uns herum verzauberten. Auf dem Adlerpass gönnten wir uns eine kurze Verschnaufpause, bevor wir dann den Zustieg auf den Gipfel in Angriff nahmen. Das Gipfelglück auf dem Strahlhorn war perfekt – keine Wolke trübte den stahlblauen Himmel und die atemberaubende Sicht auf die Monte Rosa Gruppe und das Matterhorn. Angesichts dieser Schönheit und Weite blieb kein Auge trocken. Am liebsten hätten wir Stunden auf dem Gipfel verbracht – doch der Berg ist ungeduldig und duldet die Menschen nicht für lange. Der Abstieg war lange und anstrengend – immerhin hatten wir bereits 2 Wochen Hochtouren in den Knochen und waren etwas angeschlagen. Aber diesen Tag werden wir nie vergessen. Danke dir Alois für die wunderbaren beiden Wochen und die schönen Erlebnisse, die wir mit dir teilen durften.

3.9.2017, Hildegard Wasescha